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SWP: Brillantes Konzert des Kreisverbandsjugendblasorchesters in der Lindenhalle

Ehingen. Mit Franco Hänle hat das Jugend-Blasorchester des Kreisverbands einen würdigen Nachfolger für Josef Christ erhalten. Auch beim Jahreskonzert in der Ehinger Lindenhalle brillierten Orchester und Dirigent.

RENATE EMMENLAUER | 14.04.2015

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Foto: Emmenlauer

Beifallsstürme waren dem Kreisverbandsjugendblasorchester nach dem Konzert in der Ehinger Lindenhalle sicher.

Nach seinem Debüt beim Herbstkonzert hat Franco Hänle nun auch beim Jahreskonzert am Sonntagabend in der Ehinger Lindenhalle das verinnerlicht, was er als Basis seiner musikalischen Arbeit erachtet, wie er wörtlich sagt: „Gute Musik entsteht aus dem Moment heraus. Wachsames und leidenschaftliches Musizieren erzeugt Momente, die den Zuhörer berühren und für Gänsehaut sorgen.“ Genau das konnte man bei den mehr als 600 Zuhörern in den dicht besetzten Rängen vom ersten bis zum letzten Stück des zweistündigen Musikgenusses spüren – Gänsehautgefühl pur! Es war faszinierend, mit welchem Elan, welcher technischen Präzision und welcher fühlbaren Leidenschaft zur Musik und Homogenität die jungen Musikerinnen und Musiker des Kreisverbandsjugendblasorchesters (KVJBO) das höchst anspruchsvolle Arrangement präsentierten.

Es schien bei manchen Passagen gerade so, als würde der Klangkörper ineinander und mit Franco Hänle verschmelzen. Man konnte sich kaum satt hören. Der neue Kreisverbandsdirigent Gerhard Schlecker berichtete bei seiner Begrüßung mit Stolz, dass sich fünf der Instrumentalisten des Orchesters für den Bundesentscheid bei „Jugend musiziert“ in Hamburg qualifiziert haben. Zu den mehr als 80 Orchestermitgliedern meinte Schlecker: „Diese jungen Musikerinnen und Musiker sind die besten aus unseren 71 Musikvereinen des Kreisblasmusikverbandes Ulm/Alb-Donau.“ In zwei Probenphasen hätten Dirigent und Auswahlorchester das Musikprogramm exzellent vorbereitet. Dann bat er um absolute Ruhe, da eine Live-Aufnahme vom Konzert gemacht werde. Das hätte Schlecker nicht sagen müssen, denn vom ersten Akkord an war es eh mucksmäuschenstill in den Rängen, wohl, um die Sprache der Musik ganz aufsaugen zu können.

Dann war es soweit: Ansagerin Ann-Katrin Maickler führte mit Charme und interessanten Details in das Musikmenü ein. Schon der Anblick des Orchesters lieferte ein beeindruckendes Bild auf der Bühne. Als gebührendes Eröffnungsstück hatte Franco Hänle den festlichen Einzug der Fürsten mit dem Werk „Procession of the Nobles“ aus der russischen Oper „Mlada“ von Nikolai Rimsky-Korsakoff gewählt. Das feine Händchen für ein kurzweiliges und extravagantes Arrangement mit der eigenen Note des musikalischen Leiters zog sich wie ein Faden durch den Abend. Mit der klangreichen „Alvamar Overture“ des aus den USA stammenden, international bekannten Dirigenten, Komponisten und Musiktheoretikers Professor James Barnes setzten die Interpreten einen weiteren Akzent. Die fröhliche, majestätische Ausstrahlung zog sich durch alle Register. Einem ruhigen Mittelteil folgte ein furioses Finale.

Die „Hymne á la musique“ beschrieb treffend das Zitat des Lyrikers Victor Hugo „Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist“ – ein Strudel der Gefühle in Symbiose mit präziser Technik und spannenden Klangvariationen, konform mit dem Feingefühl und der Intensität des Musikspiels, hüllte das Publikum ein und breitete sich wie eine Woge im Saal aus. Man konnte das Prickeln förmlich spüren. Die Register verschmolzen zu einem atemberaubenden Gesamtwerk. Die dreisätzige „Englisch Folk Song Suite“, die von der Seefahrt, Herzklopfen und unerfüllter Liebe sowie von tapferen Soldaten handelte, fesselte nicht weniger.

Berauscht von der wunderschönen Musik durften die Zuhörer nach der Pause noch das südländische Lebensgefühl bei „Puenteareas“ von Reveriano Soutullo, der heimlichen Hymne Galiziens, aufnehmen, wie auch beim Höchststufenstück „Almansa“, einer „symphonischen Episode“ des 1966 geborenen spanischen Komponisten Ferrer Ferran, das durch mitreißende Klangfarben und betörender Rhythmik bestach. Mit Alfred Reeds extravaganter Komposition „El Camino Real“, bei der das gedämpfte Blech in rasanten Läufen hervorstach, die vom Schlagwerk förmlich angeheizt wurden, nur um in flüsterleise sphärische Klänge zu entschwinden, setzte das Orchester einen brillanten Schlusspunkt und riss das Publikum mit der temperamentvollen Zugabe „Congo del fuego“ zu wahren Beifallsstürmen hin.

Ein originelle Überraschung gab es für Karl Glöckler. Der Ehrenvorsitzende des Kreisblasmusikverbands durfte den Kreismarsch dirigieren. Eintritt war zum Konzert nicht verlangt worden, aber die Spendenkörbchen füllten sich im Nu.

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Zusatzinfo:

Sparkasse Ulm fördert Auswahlorchester jährlich mit 10 000 Euro
Auch in Erbach hat das KVJBO ein Konzert gegeben. Im Rahmen dieser Veranstaltung überreichte Harald Schanzel, Leiter der Sparkassen-Geschäftsstelle Erbach, im Beisein des Erbacher Bürgermeisters Achim Gaus dem stellvertretenden Vorsitzenden des Kreisblasmusikverbands, Uli Müller, einen Spendenscheck in Höhe von 10 000 Euro.

Zwischen der Sparkasse Ulm und dem KVJBO besteht schon seit vielen Jahren eine sehr enge Verbundenheit. Die Sparkasse Ulm will kulturelle Einrichtungen in der Region fördern.

Bereits im Jahre 2006 hatte die Sparkasse Ulm entschieden, das KVJBO über einen Zeitraum von mindestens zehn Jahren mit einer jährlichen Spende in Höhe von 10 000 Euro zu unterstützen. Den selben Betrag erhält die Junge Bläserphilharmonie Ulm (ehemalige Ulmer Knabenmusik) von der Sparkasse.